Ist Nachhaltig gleich nachhaltig- oder eine Frage der Auslegung?
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Hey, ich bin Isa, Gründerin des kleinen Leipziger Labels IsavieFactory.
Meine Story
Schon lange vor der Gründung war für mich Nachhaltigkeit ein riesen Thema. Im Haushalt, beim Reisen, bei der Nutzung von verschiedenen Ressourcen und vor allem beim Kleidungskauf. Ganz ehrlich, ganz früher, als ich mich noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt habe, bin ich auch zu Primark, H&M und Co gelaufen und habe mich genau wie viele andere gefreut, für ein relativ knappes Budget doch recht viele neue Kleidungsstücke bekommen zu haben. Als ich aber in meiner Jugend angefangen habe, Stoffe für mich zu kaufen, meine eigenen Klamotten zu nähen und realisiert habe, wie viel Arbeit und Herzblut dahinter steckt, habe ich angefangen mich und meinen Konsum zu hinterfragen. Mittlerweile kaufe ich bei H&M und Co nur noch Socken und Unterwäsche. Vor allem, weil ich mir Socken nicht nähen kann und Unterwäsche wahnsinnig aufwändig ist. Dennoch schließe ich es nicht aus, mich in Zukunft auch mal mit nachhaltig produzierter Unterwäsche auseinanderzusetzen.
Nachhaltige Materialien
Seid der Idee für meine Label war klar, ich will meine Produkte so nachhaltig wie möglich produzieren. Das Ziel, welches ich mir hier selber gesetzt habe war, Produkte so nachhaltig wie möglich zu produzieren, aber mit keinem typisch ökologischen Look. Fast Fashion Style, schick und aktuell, aber umweltfreundlich.
Mein liebstes und meist genutztes Material im Shop ist GOTS zertifizierte Biobaumwolle. Sie hat sehr viele Einsatzmöglichkeiten, ist relativ robust und deutlich weniger wasserverschwendend als Baumwolle aus konventionellem Anbau. Die Zertifizierung ist hier allerdings entscheidend. GOTS- Global Organic Textile Standards hat die höchsten Anforderungen an die Baumwollproduzenten. Es wird bei diesem Zertifikat ein Mindestlohn für die Arbeiter gewährleistet, sowie der Verbot von Kinderarbeit und Diskriminierung am Arbeitsplatz. Pestizideinsatz und synthetische Düngemittel sind ebenfalls untersagt. Diese hohen Standards der Faser- und Stoffproduktion, ermöglichen dem Konsumenten eine bewusste Entscheidung zu fair und ökologischer produzierten Materialien.
Eine noch bessere Alternative zu Baumwolle ist Tencel bzw. Lyocell. Tencel ist hier die Markenbezeichnung der Firma Lenzing, die aus Holz aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern eine Cellulose-Regeneratfaser herstellt. Tencel wird ähnlich hergestellt wie Viskose. Das Holz wird kurz gesagt zerkleinert, aufgelöst in einem nicht toxischen Lösungsmittel, aus Spinndüsen herausgepresst und versponnen. Dabei wird das Lösungsmittel zum großen Teil zurückgewonnen und weiterverwendet, im Gegensatz zu Viskose, bei dem die Chemikalien in die Umwelt gelangen. Allerdings ist das Material etwas teurer als Baumwolle und hat ein paar andere Materialeigenschaften, weshalb es sich nicht so umfangreich einsetzen lassen kann. Bei mir im Shop kannst du Tencel bzw. Lyocell vor allem als Stickgarn bei allen bestickten Produkten, aber auch bei Bündchen, French Terry und Jerseystoffen entdecken.
Im Bunde der nachhaltigen Fasern darf aber auch Leinen nicht fehlen. Auch hier wird deutlich weniger Wasser verbraucht, als bei Baumwolle. Es ist ein sehr reißfestes und strapazierfähiges Material mit vielen guten Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten. Vor allem die kühlende Wirkung im Sommer, die hypoallergene & antibakterielle Wirkung und dass es im Gegensatz zu anderen Materialien nicht fuselt, wissen viele zu schätzen. Leider knittert Leinen jedoch stark, ist deutlich teurer als Baumwolle und pflegeaufwändiger, weshalb es ebenfalls nicht für alles einsetzbar ist.
Das Rohmaterial ist aber nicht alles. Ich finde es ebenso wichtig bei den zusätzlichen Materialien auf Umweltverträglichkeit zu achten. Vliese, Knöpfe, Garne, Verpackung... Materialien der gesamten Produktions- und Lieferkette. Diese Materialien kann man zum Teil gut nachhaltig kaufen. Sie sind teurer, ja, das spiegelt sich auch im Endpreis wider, aber hier ist es grundsätzlich möglich. Leider ist das Angebot manchmal schlichtweg nicht vorhanden. Ich habe mich viele Stunden mit Materialsuchen auseinandergesetzt. Die besten Anbieter und Preise verglichen und manchmal dennoch festgestellt, dass es das Optimalprodukt manchmal nicht gibt. Es ist aber wichtig das so etwas auch kommuniziert wird und je höher die Nachfrage wird, desto eher wird es für die großen Produzenten auch wirtschaftlich attraktiv, ihre Produktion dahingehend umzustellen oder zu erweitern.
Wie gerade schon erwähnt, ist es nicht immer möglich, ein rundum okölogisches Produkt zu schaffen, es lohnt sich aber, es so gut und umfassend es geht, zu versuchen.
Kurze Lieferstrecken und lokale Produktion
Selbst das nachhaltigste Produkt wird weniger ökologisch, wenn es erstmal um die halbe Welt fliegt, um beim Konsumenten anzukommen. Lokale kleine Produktionen gibt es in Deutschland aber kaum noch. Zudem wirken ökologische Produkte meist wahnsinnig teuer. & warum ist das so? Wir haben in Deutschland einen deutlich höheren Mindestlohn, als in den meisten Fast Fashion Produktionsländern, ebenso jede Menge Steuern und Abgaben, die in anderen Ländern teilweise nicht fällig werden. Dann die zuvor erwähnten höheren Produktionskosten durch ökologische Materialien und deutlich kleinere Produktionsmengen. Trotzdem wird okölogisch produzierte Ware mit konventioneller Produktion verglichen, weil wir diese Preise gewöhnt sind. Kleine Betriebe können sich aber keine Preisschlachten mit Fast Fashion Unternehmen leisten, die auch mal unter ihrem Preisniveau ins Minusgeschäft gehen, um Konkurrenten vom Markt zu vertreiben. Hier sitzen Menschen hinter den Maschinen, die keine Millionen an Rücklagen haben, um den 10. Sale anzubieten. Das sind in der Regel faire Preise. Auch wenn es nur noch wenig deutsche Großbetriebe in der Textilproduktion gibt, sind es die vielen Menschen in der Handmade Community, die mit ganz viel Liebe und meist neben ihrem Hauptjob ihr Kleingewerbe führen und damit dafür sorgen, das ihr Handwerk nicht ausstirbt. Und selbst hier herrscht großer Konkurrenzdruck, gerade wer nebenbei sich etwas verdienen möchte, kalkuliert Preise anders, als jemand, dessen Hauptbeschäftigung das eigene Business ist.
Fazit
Zur Frage "Ist Nachhaltigkeit gleich nachhaltig- oder eine Frage der Auslegung?" kann ich abschließend nur sagen, ja, es ist eine Frage der Auslegung, aber gleichzeitig eine Frage von individuellen Werten und Standards, die man für erstrebens- und unterstützenswert hält. H&M und Co können sicherlich in Großmengen Biobaumwollstoffe und andere nachhaltige Materialien zu deutlich günstigeren Preisen abnehmen, als Kleinunternehmen und dies groß auf ihren Produkten etikettieren... aber ob diese dann entsprechend zertifiziert und später fair produziert werden ist eine ganz andere Frage.
Vielleicht schaut man dann doch mal beim kleinen Label nebenan vorbei, unterstützt so fair bezahlte lokale Arbeit und ließt das ein oder andere Etikett.
Wenn du jetzt Lust bekommen hast, für dein Kind, dich selbst oder für nachhaltige Geschenke für Freunde und Familie zu stöbern, schau hier in meinem Shop vorbei.
